MehrWert mit Tarif in Osthessen

Nach 23 Streiktagen: Tarifvertrag bei Weisensee in Eichenzell durchgesetzt!

  • 18.01.2022
  • Aktuelles, Betriebe, Weisensee, Tarif, Osthessen

Nach 23 Tagen unbefristeten Streik haben sich die IG Metall Hanau-Fulda und die Firma Weisensee Warmpressteile in Eichenzell auf den Abschluss eines Tarifvertrags geeinigt. Die Geschäftsleitung hatte dies lange grundsätzlich blockiert. Trotz verhärteter Fronten ist es in der letzten Verhandlungsrunde gelungen, notwendige Brücken für einen Tarifabschluss zu bauen. Mit dem abgeschlossenen Tarifvertrag werden die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten deutlich verbessert und stufenweise an die tariflichen Regelungen der hessischen Metall- und Elektroindustrie herangeführt.

Das Verhandlungsergebnis sieht im Einzelnen eine einmalige „Corona-Beihilfe“ in Höhe von 1.250 Euro vor. Die Löhne und Gehälter steigen um 2,3 Prozent und ab Juli 2023 um weitere 1,2 Prozent. Darüber hinaus erhalten die Weisensee-Beschäftigten ab sofort alle Tariferhöhungen der Metall- und Elektroindustrie. Zudem wird bei Weisensee das tarifliche Entgeltrahmenabkommen (ERA) eingeführt, das eine faire und gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit sichert. 

„Bisher gab es im Betrieb erhebliche Unterschiede von mehreren Euro in der Stunde für die gleiche Tätigkeit. Das wird mit dem Tarifvertrag nun Zug um Zug geändert. Die vereinbarten Entgelterhöhungen sind für einen Großteil unserer Belegschaft die erste Lohnerhöhung seit vielen Jahren“, erklärt Jürgen Schubert, Vorsitzender des Betriebsrats der Firma Weisensee.

Im Tarifvertrag wurden außerdem für jeden Beschäftigten ein Anspruch auf 30 Tage Urlaub im Jahr geregelt. Zusätzlich wird schrittweise das tarifliche Weihnachts- und Urlaubsgeld eingeführt. Darüber hinaus haben sich die Vertragsparteien verpflichtet, Gespräche zur weiteren Heranführung an die branchenüblichen Arbeitsbedingungen der hessischen Metall- und Elektroindustrie zu führen.

„Der abgeschlossene Tarifvertrag bietet mehr Planungssicherheit für die Beschäftigten bei ihrer Entgeltentwicklung. Dass zukünftig die regelmäßigen Entgelterhöhungen der Branche Anwendung finden und auch branchenübliche jährliche Sonderzahlungen gewährt werden, ist aus Sicht der Beschäftigten das Herzstück des Abschlusses“, so Ronny Kallenbach, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Weisensee.

„Wir hätten nie gedacht, dass die Belegschaft so stark zusammenhalten kann. Wir haben durch die Erfahrungen im Arbeitskampf auch ein neues Team-Gefühl entwickelt, das wir sicher auch in unseren Arbeitsalltag übernehmen werden. Wir haben gelernt, dass wenn wir zusammenhalten, alles möglich ist“, resümiert Steffen Hahner, Betriebsratsmitglied bei Weisensee.

Jörg Köhlinger, Leiter des IG Metall Bezirks Mitte und unter anderem zuständig für die Tarifpolitik der Gewerkschaft in Hessen beglückwünschte die Belegschaft zu ihrem Erfolg: „Die Weisensee-Belegschaft hat unter Beweis gestellt, dass Solidarität und Zusammenhalt zu besseren Arbeitsbedingungen führt. Der Kampf um einen Tarifvertrag bei Weisensee ist auch für andere Betriebe über die Region Osthessen hinaus ein positives Beispiel. Die IG Metall wird weiterhin jede Belegschaft, die sich organisiert um einen Tarifvertrag durchzusetzen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen.“

„Mit dem durchgesetzten Tarifvertrag wurde das zentrale Streikziel der IG Metall-Mitglieder bei Weisensee erreicht: Ein Tarifvertrag, der sich an den Bedingungen der Metall- und Elektroindustrie orientiert und eine Heranführung an die branchenüblichen Arbeitsbedingungen beschreibt“, erklärt Verhandlungsführer Robert Weißenbrunner und 1. Bevollmächtigter der IG Metall Hanau-Fulda. 

„Wir danken allen Unterstützerinnen und Unterstützern, die in den letzten Wochen und Monaten der Belegschaft solidarisch zur Seite gestanden haben. Die breite Unterstützung von Betriebsräten aus dem ganzen Bundesgebiet und eine starke IG Metall im Rücken hat den Streikenden die entscheidende Kraft gegeben durchzuhalten. Wir danken insbesondere den regionalen Landtags- und Bundestagsabgeordneten sowie Kommunalpolitikern von SPD, LINKEN und Bündnis90/Die Grünen, der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und unseren Schwestergewerkschaften ver.di, EVG und NGG“, so Weißenbrunner weiter.

„Nur durch das gemeinsame und solidarische Handeln der nahezu geschlossen organisierten Beschäftigten war dieser Tarifabschluss möglich und ist deshalb auch ein Erfolg der Solidarität, der schon jetzt auch andere Belegschaften in der Region motiviert, sich für bessere tarifliche Arbeitsbedingungen zu engagieren“, so Kevin Eckert, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Hanau-Fulda. 

Bei der für das Inkrafttreten des Tarifvertrags notwendigen Urabstimmung haben 100 Prozent der Streikenden für die Annahme des Verhandlungsergebnisses gestimmt.

Die IG Metall Hanau-Fulda ruft aus Anlass des Tarifabschlusses zu einer Abschlusskundgebung auf, die am Samstag, 22. Januar 2022, 16.00 bis 17.00 Uhr im Streikzelt in der Bürgermeister-Ebert-Str. 2b in Eichenzell stattfindet.

Bei der Kundgebung werden sich neben dem Leiter des IG Metall Bezirks Jörg Köhlinger die Landtagsabgeordneten Sabine Waschke (SPD), Axel Gerntke (DIE LINKE) und Markus Hofmann (Bündnis90/Die Grünen) sowie Birgit Kömpel (SPD-Unterbezirksvorsitzende) und Philipp Garrison (Kreisvorsitzender der LINKEN) mit Grußworten an die Belegschaft richten. 

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